Empirische Sozialforschung: Untersuchungsphasen

Nimmt man einen empirischen Artikel zur Hand, dann besteht dieser in der Regel aus der Formulierung eines Forschungsproblems, der Ableitung von Hypothesen in Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand, der Operationalisierung, Messung und dem Bericht sowie der Einordnung der Ergebnisse. Diesem Schema folgen die meisten Arbeiten und dieses Schema erlaubt es dem Geübten, rasch zu sehen, ob er es mit einer wissenschaftlichen Studie zu tun hat oder mit dem Versuch, eine wissenschaftliche Studie zu erstellen.

Der Zentralität dieses Schemata entsprechend, findet sich in den meisten Lehrbüchern zur Empirischen Sozialforschung ein mehr oder weniger großer Abschnitt dazu. Wir haben uns für den Abschnitt in Diekmann (2003) entschieden:

“Der Ablauf einer empirischen Studie lässt sich grob in fünf Hauptphasen unterteilen:

  1. Formulierung und Präzisierung des Forschungsproblems,
  2. Planung und Vorbereitung der Erhebung,
  3. Datenerhebung,
  4. Datenauswertung,
  5. Berichterstattung.

In jeder dieser Phasen sind eine Reihe von Entscheidungen zu treffen. Die erste Entscheidung betrifft die Auswahl des Forschungsproblems. Sofern es sich nicht um eine rein explorative Studie handelt, empfiehlt es sich, eine empirische Arbeit mit einem klar definierten Forschungsproblem zu beginnen. Manche Studie krankt daran, dass irgend etwas in einem sozialen Bereich untersucht werden soll, ohne dass das Forschungsziel auch nur annähernd klar umrissen wird. Auch mangelt es häufig an der sorgfältigen, auf das Forschungsziel hin abgestimmten Planung und Auswahl des Forschungsdesigns, der Variablenmessung, der Stichprobe und des Erhebungsverfahrens. Das Resultat unüberlegter und mangelhaft geplanter empirischer Forschung sind nicht selten ein kaum noch genießbarer Datensalat und aufs äußerste frustrierze Forscher…

Ein Forschungsproblem klar definieren heißt z.B. bei einer hypothesenprüfenden Untersuchung, dass die Forschungshypothese (abhängige und unabhängige Variablen) präzise angegeben werden kann. Bei einer deskriptiven Studie sollte klar sein, bei genau welcher Population welche Merkmale geschätzt werden sollen. Am Anfang einer Untersuchung steht immer die Frage: Was genau möchte ich wissen?

Im Gegensatz zur Auftragsforschung wird man in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung die zu untersuchende Problemstellung in der Regel selbst definieren. Eine wichtige Quelle der Inspiration sind dabei Kontroversen in der Fachliteratur. Auf wohl jedem Gebiet finden sich theoretisch interessante, mitunter auch praktisch bedeutsame Hypothesen, die zwar heftig umstritten sind, aber so gut wie nie oder nur in einem eng begrenzten Kontext geprüft wurden. Wäre da nicht zu überlegen, an diese Kontroverse anzuknüpfen, eventuell zusätzlich eigene Ideen einzubringen (…) und die Hypothese einem empirischen Text zu unterziehen?

(Diekmann, Andreas, 2003: Empirische Sozialforschung, S.162-164)