Human Resources: Wissen im Wertschöpfungsprozess

Lange Zeit gab es einen richtigen Hype unter dem Stichwort “Wissensgesellschaft”. Zwischenzeitlich haben sich die Wogen etwas gelegt und die Fragen, wie wirklich wichtig sind, sind in den Vordergrund getreten. Wie akquiriert und behält man das Humankapital, das man benötigt? Welche unterschiedlichen Formen von Humankapital gibt es? Welche Rolle spielt individuelles Wissen im Wertschöpfungsprozess?

Hier eine Antwort zur dritten Frage:

“In den letzten Dekaden führte nicht zuletzt der Einfluss von Controllern zu radikalen Veränderungen im Verständnis und Wirken von betriebswirtschaftlichen Geschäftsprozessen. Der Ressourceneinesatz wurde optimiert, technische Prozesse bis an die physikalischen Grenzen herangeführt (etwa Fertigungsgenauigkeit bei Computerchips im Bereich von wenigen Atomschichten) und die Produktivität von Mitarbeitern wurde enorm verändert.

Durch zunehmendes Wissen ist es aber möglich, nicht nur ‘ein Produkt’ nach bestimmten Qualitätsanforderungen zu definierten Kosten zu erstellen, sondern es an einen individuellen Kundenwunsch anzupassen. Die Prozesse dazu sind komplex und anspruchsvoller, die Abstimmung von selbständig entscheidenen Mitarbeitern wird viel wichtiger als die vergleichsweise ‘einfach’ logistische Koordination bei der Fertigung einer arbeitsteilig organisierten Wertkette.

Kam es im Laufe der industriellen Revolution zu einer radikalen Veränderung der Organisation von Abläufen (Arbeitsteilung) und zur Trennung von Planungsarbeiten, Fertigungsprozessen und Integrationsschritten, so stehen wir heute vor einer ähnlichen Herausforderung.

Wir sehen einerseits zahlreiche Routinetätigkeiten wie etwa die ‘Dateneingabe’ und ‘Schnittstellenüberwindung’ durch Menschen mit relativ niedrigen intellektuellen Anforderungen und ohne besondere Chance auf Lerneffekte. Wir sehen andererseits sehr komplexe Tätigkeiten bei der Analyse und Interpretation derselben Daten, die enorme Kompetenzen benötigen und teilweise äußert knapp sind.

So wie es bei der industriellen Revolution um die arbeitsteilige Organisation von Produktionsabläufen ging, stehen wir heute vor der Herausforderung, arbeitsteilige Strukturen für Wissen zu definieren. Dabei steht weniger die ‘Vertiefung’ der Aufgabe im Vordergrund – dazu gibt es sehr viele Vorbilder, u.a. aus dem historischen Universitätskontext und der Tradition der kontinuierlichen Aufspaltung von Themen. Die Integration der zunehmend differenzierten Wissensgebiete ist eine viel größere Herausforderung und braucht entsprechende ganzheitliche Kompetenzen und Fähigkeiten”

(Bornemann, Manfred, 2012: Wissensbilanz als Controlling-Instrument für das Intellektuelle Kapital.. München: Haufe, S.169)