Medienwissenschaft: Massenkommunikation

Wenn man heute von Massenkommunikation spricht, dann ist weitgehend in Vergessenheit geraten, dass der Begriff der Masse lange Zeit eine negative Konnotation hatte. Nicht zuletzt hat Gustave Le Bon mit seiner Arbeit zur Psychologie der Masse die Gefahren großer Ansammlungen von Menschen dargelegt. Andere, wie Theodor Adorno oder Theodor Geiger haben die Vermassung kultureller Ereignisse beklagt und sich dabei nicht positiv über die Masse als solche geäußert.

Erst mit den Arbeiten von Herbert Blumer hat sich das Blatt etwas gewendet, wurde Masse und Massenkommunikation in gewisser Weise rehabilitiert.

Blumer unterscheidet zwischen Masse, Menge, Gruppe und Öffentlichkeit:

Die Mitglieder einer Gruppe kennen einander. Sie unterhalten Face-to-Face Kontakt, haben gemeinsame Interessen, sind durch ein Wir-Gefühl ausgezeichnet und bilden als Ergebnis wiederkehrender Interaktion stabile Strukturen von Führer und Gefolgschaft aus.

Die Menge umfasst mehr Mitglieder als die Gruppe. Sie versammelt sich an bestimmten Orten, und zwar sporadisch. Das Handeln in einr Menge oder aus einer Menge heraus ist häufig emotional oder affektiv motiviert und weist somit irrationale Züge auf.

Öffentlichkeit ist für Blumer ein politisches Phänomen. Öffentlichkeit ist nicht an einen Ort gebunden, sie ist in gewisser Hinsicht dauerhaft und wird über Themen konstituiert.

Die Masse schließlich beschreibt ein Publikum. Das Publikum ist weit verstreut. Es gibt keine Interaktionen unter den Mitgliedern der Masse. Die Mitglieder kennen sich nicht. Als Konsequenz stellt sich eine heterogene Struktur ein, die für Blumer das Ergebnis der Offenheit von Kommunikation ist.

Mass audience oder Massenkommunikation steht somit für eine Vielzahl von Menschen, die sich in einem bestimmten Zeitraum durch ähnliche Verhaltensweisen auszeichnen.

Diese Definition war Maletzke zu technisch, weshalb er seine eigene Definition von Massenkommunikation beigetragen hat. Sie lautet:

“Unter Massenkommunikation verstehen wir jede Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Eigenschaft) durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (oder bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagendem und Aufnehmendem) an ein disperses Publikum (…) vermittelt wird” (Maletzke 1963: 32).

Literatur
Blumer, Herbert (1946). Collective Behavior. In: McChung Lee, Alfred & Park, Robert E. (eds). New Outlines of the Principles of Sociology. New York: Barnes & Noble, S.255-273.

Maletzke, Gerhard (1963). Psychologie der Massenkommunikation. Theorie und Systematik. Hamburg: Hans-Bredow Institut.