Pädagogik: Schulqualität und Schulkultur

Schon in den 1970er Jahren hat Helmut Fend eine Reihe richtungsweisender Studien durchgeführt, um die Determinanten von Schulqualität herauszuarbeiten. Im Zuge seiner Arbeit hat er das Konzept der Schulkultur entwickelt. Schulkultur entsteht aus dem Zusammenwirken von Lehrern, Eltern und Schülern. Dass an Schulleistungen neben Eltern und Schülern auch Lehrer beteiligt sind, ist ein Umstand, der heute teilweise in Vergessenheit geraten zu sein scheint.

Fend schreibt dazu:

“Bei diesen Vergleichen von Bildungssystemen und ihrer Konfrontation mit der konkreten Praxis des Schulehaltens ist mir erstmals deutlich vor Augen getreten, dass für die konkrete Gestaltung schulischen Lebens angesichts standardisierender Rahmenbedingungen zustätzliche Gestaltungskräfte am Werk sind, die zu einem variierenden ‘Vollzug’ der Rahmenbedingungen führen. Daraus resultiert dann die konkrete Praxis des Lehrens und Lernens. Der Begriff der ‘Kultur’ schien geeignet, diese Praxis genauer zu beschreiben (…). Darunter verstand ich in einem ersten Anlauf die Lebensform einer Gruppe von Menschen, die in einem gemeinschaftlichen Verantwortungszusammenhang stehen. In diesem Fall waren es Lehrer, Schüler und Eltern, die einen typischen ‘Vollzug’ des systematischen langjährigen Lernens und Lehrens praktizierten. Dieser Vollzug geht ‘durch die Menschen hindurch’, ist also durch deren subjektive ‘Struktur’ mitbestimmt. Um diese ‘Struktur’ genauer zu bezeichnen, hätte die traditionelle Pädagogik vermutlich von ‘Menschenbildern’ gesprochen und damit die pädagogischen Grundhaltungen und die mentalen oder, wenn man so will, ‘spirituellen Ressourcen’ der Wirklichkeitsgestaltung gemeint”.