Soziale Arbeit: Offene Jugendarbeit

„Offene Jugendarbeit findet vor allem in Jugendfreizeitstätten (…) statt. Es handelt sich um Einrichtungen, die allen Jugendlichen, besonders den nichtorganisierten, durch Bereitstellen von Räumen und Sachmitteln die Möglichkeit zu vielfältigen Freizeitaktivitäten bieten und regelmäßig, d.h. an mehreren Tagen in der Woche bis in den Abend geöffnet sind“.[1] Offene Jugendarbeit zeichnet sich dabei vor allem durch die folgenden Elemente aus:[2]

  • Es besteht eine Offenheit der Inhalte, d.h. die Inhalte sind nicht an politische, konfessionelle oder weltanschauliche Inhalte gebunden.[3]
  • Offenheit ist im Sinne von Transparenz gemeint, d.h. die Aktionen und Tätigkeiten Offener Jugendarbeit stehen unter ständigem Legitimationsdruck gegenüber dem Träger und den finanzierenden Stellen;[4]
  • Es soll eine Offenheit gegenüber den Interessen der Jugendlichen gewahrt sein, d.h. Jugendliche erhalten so wenig wie möglich Vorgaben;[5]
  • Die Organisations- und Sozialformen sind offen gestaltet: „d.h. die Arbeit ist so strukturiert, dass einzelne Aktivitäten für die Jugendlichen unmittelbar zugänglich sind“.[6] Es bedarf keiner Anmeldung bzw. Mitgliedschaft.

Als Hauptkriterium Offener Jugendarbeit sieht Treptow die Ausrichtung an der je spezifischen Interaktionskultur der Jugendlichen, die er auch als Kultur der freien Geselligkeit bezeichnet,[7] womit einmal mehr das Fehlen von (bestimmten) Vorgaben angesprochen ist. Der Offenheit der Offenen Jugendarbeit entsprechend zeichnen sich bislang keinerlei Hindernisse ab, die den Einsatz von Freiwilligen in der Jugendarbeit begrenzen oder dem Einsatz entgegen stehen könnten. Demgemäß spricht sich Sturzenhecker für den Zugriff der „Hauptamtlichen“ z.B. in Jugendheimen auf die Kompetenzen und Fähigkeiten von Ehrenamtlichen aus, die die Hauptamtlichen in der Vermittlung ihres Verständnisses als „Dienstleister, vor allen Dingen für Freizeitangebote, und/oder als Beziehungsarbeiter“ unterstützen können.[8] Dem Einsatz von Freiwilligen in der Offenen Jugendarbeit scheint, beschränkt man die Betrachtung wie bislang auf die formale Konzeption offener Jugendarbeit, nichts entgegen zu stehen. Folglich ist nunmehr zu untersuchen, ob die Einbindung der Offenen Jugendarbeit in das System der Jugendhilfe als Hindernis dem Einsatz von Freiwilligen entgegensteht.

[1]Klave (2000), S.12.
[2]Klave (2000), S.12-13; Sturzenhecker (2005), S.340;
[3]Dass diese Offenheit nur eine Scheinoffenheit darstellt, ergibt sich bereits aus der Existenz „Offener Jugendarbeit“, der es nicht bedürfte, wenn Jugendliche sich bei der Findung von Inhalten tatsächlich selbst überlassen bleiben würden. Die Offene Jugendarbeit leitet aus ihrer „Offenheit“ entsprechend in erster Linie einen Bildungsauftrag ab, der in der Regel als Heranführung an die politischen Institutionen Deutschlands und somit als Partizipations-Begründung ausgelegt wird: Die Kinder- und Offene Jugendarbeit soll zu Selbstbestimmung befähigen. … Kinder und Jugendliche … sollen im Sinne einer gesellschaftlichen Beteiligung dazu angeregt werden, gesellschaftliche Mitverantwortung zu erlernen und sich sozial zu engagieren“; Delmas, Hörstmann & Reichert (2004), S.95.
[4]Fehrlen & Koss (2005), S.382.
[5]Nörber (2005), S.264.
[6]Klave (2000), S.13.
[7]Treptow (2001), S.263.
[8]Sturzenhecker (1999), S.85.