Sozialpsychologie: Stereotype

Die Erforschung von Stereotypen und Vorurteilen ist in weiten Teilen mit den Namen von Gordon Allport, John Turner und Henri Tajfel verbunden. Vor allem Tajfel und Turner haben da weitergemacht, wo Allport aufgehört hat, nämlich bei der Untersuchung des Zwecks, den Vorurteile und Stereotype für diejenigen, die sie nutzen, erfüllen. Eine der Erkenntnisse, die Turner und Tajfel zu verdanken ist, hat den gruppenkonstituierenden Charakter von Vorurteilen zum Gegenstand.

Die Nähe der Arbeit von Tajfel und Turner zu den Ursprüngen der Sozialpsychologie in den Arbeiten von Allport wird besonders in der Monographie “Gruppenkonflikt und Vorurteilt” von Tajfel deutlich. So schreibt Tajfel auf den Seiten 43 und 44 seines Buches:

“Bei der Diskussion der ‘Kategorisierungsprozesse’ in seinem klassischen Buch über das Vorurteil (…) erwähnte Allport folgende fünf wichtigen Charakterstika dieses Prozesses:

  1. Er bildet große Klassen oder Gruppierungen, die unsere täglichen Anpassungsversuche leiten;
  2. Durch die Kategorisierung wird so viel wie möglich in die jeweilige Klasse assimiliert;
  3. Die Kategorie ermöglicht es uns, ein damit verbundenes Objekt schnell zu identifizieren;
  4. Die Kategorie saturiert alles, was sie umfasst, mit dem gleichen vorstellungsmäßigen und emotionalen Fluidum;
  5. Kategorien können mehr oder weniger rational sein;

Etwas später in seinem Buch diskutiert Allport den ‘kognitiven Prozess’ bei der Wirkungsweise von Vorurteilen, dessen Merkmale die Auswahl, Akzentuierung und Interpretation von Informationen aus der Umwelt sind. Er unterscheidet jedoch zwischen einer Kategorie und einem Stereotyp. Letzteres ist “eine übertriebene Überzeugung, die mit einer Kategorie verbunden ist. Ihre Funktion besteht in der Rechtfertigung (Rationalisierung) unseres Verhaltens in Verbindung mit dieser Kategorie’. (…) Auf diese Weise verband Allport die kognitive und die ‘Wertfunktion’ der Stereotypisierung. Aber seine Definition gab dem Phänomen nicht mehr als den Status eines Zusatzes zu seinem vierten ‘wichtigen Charakteristikum’ des Kategorisierungsprozesses (s.o.): es ist etwas, das selbst ‘keine Kategorie ist’, sondern eine ‘Vorstellung’ (image), die ‘häufig als ständige Markierung der Kategorie existiert’ (…). Seitdem ist unsere Auffassung über das Wesen des Stereotyps über Allports statische Auffassung von einer ‘ständigen Markierung’ (fixed mark) oder einer Vorstellung weit hinausgegangen”.