Pädagogik: Schulstress

Heute einmal etwas mit Geschichte: Schulstress. Bereits 1975 haben sich Peter Marschall und Helmuth Zenz dazu wie folgt geäußert:

Stress war ursprünglich ein rein physiologisches Konzept, das die spezifische Reaktion des Organismus auf eine ungewöhnliche physische Anforderung beschrieb. Einerseits verbindet sich mit Streß die Vorstellung von der Art und Menge der anfordernden Reize, andererseits beschreibt der Begriff die mehr oder minder geglückte Anpassungsreaktion des Organismus auf diese spezifischen Reizmengen. Streß wird hierbei keineswegs als prinzipiell schädlich angesehen, sondern als eine Möglichkeit, zunehmend Abhärtung und Widerstand gegenüber ähnlichen ungewöhnlichen Reizanforderungen herauszubilden. Zwar wird bei Streß der Organismus ungewöhnlich stark beansprucht, doch kann diese überstarke Beanspruchung zu kreativen Anpassungsleistungen des Organismus an die Reaktion führen, so dass dieser in Zukunft weniger stark durch solche Reizmengen in Anspruch genommen wird. Streß wird erst von dem Moment an schädlich, wo eine Fülle von ungewöhnlichen Reizen den Organismus derart heftig überflutet, dass dieser durch die Aufbietung aller physiologischen Kraftreserven und bei optimalem Einsatz seiner Reserven die neuen Reizmengen nicht zu bewältigen vermag. Unter dem Druck dieser Reizmengen ist der Organismus jedoch nicht mehr in der Lage, elastisch zu reagieren, sondern verhält sich wie ein plastischer Körper, der durch den Aufprall auf den Boden, zum Beispiel – deformiert wird – der Mensch erkrankt. Obwohl der Theoretiker des Streß, Selye (1953), ursprünglich mit seinem Konzept nur physische Reizung meinte, so etwa in Form von ungewöhnlicher Hitze oder Kälte, einer Kontaminierung mit außerordentlich hohen Mengen an Krankheitskeimen, wurde der Streßbegriff sehr bald auch auf psychische, soziale Belastungen oder Überlastungen ausgedehnt. Auch das Bildungssystem wurde bald von dieser Diskussion erfasst – und so entstand Mitte der 70er Jahre eine regelrechte Kampagne gegen den Schulstreß. Tatsächlich ist die Schule ein Ort, an dem Jugendliche gewollt belastet werden. Obwohl die schulische Belastung sich in erster Linie auf Psychisches bezieht, ruft sie dennoch eine Beanspruchung des Gesamtorganismus hervor, also auch physiologische Reaktionen wie: Beschleunigung des Herzschlags, erhöhte Muskelanspannung, erhöhter Blutdruck, eine Veränderung der verschiedenen Hormonspiegel – alles Begleiterscheinungen, die sich unter bestimmten Begleitumständen, zu einer psychophysiologischen Störung entwickeln können. Natürlich unterscheiden sich die Jugendlichen individuell hinsichtlich ihrer körperlichen Reaktionen auf Belastungen zum einen qualitativ, indem der eine eher mit Verspannungen von seiten seiner Muskulatur, der andere Jugendliche eher mit Magen- oder Unterleibskrämpfen reagiert. Aber auch quantitativ insofern, als all diese Reaktionen individuell verschieden stark in Erscheinung treten. Jugendliche mit heftig ausgeprägten physiologischen Reaktionsmustern sind in für sie belastenden Situationen besonders anfällig für psychosomatische Störungen, d.h. für pathologische Organveränderungen (…).

Das Leistungsmotiv ist der psychologische Motor in der Auseinandersetzung zwischen Leistungsanspruch und dem geforderten Leistungsniveau. Dieses Motiv ist ein Bündel von psychosozialen Attributen des Verhaltens. Es wird aktiviert in Situationen, die die Gelegenheit bieten, erfolgreich zu sein. Dem Ziel, Erfolg zu haben, steht das Risiko, zu scheitern gegenüber. Es gibt eine Vielzahl von Situationen, sich erfolgreich um Anerkennung zu bewerben. Die Schule ist jedoch der Ort, an dem das Leistungsmotiv ständig herausgefordert wird, nicht nur in den besonderen Prüfungssituationen der Tests und Klassenarbeiten, sondern die Schulstunde selber stellt eine permanente Prüfungssituation dar, in der die Hausaufgaben vom Lehrer mündlich beurteilt werden, und in der ständige Kontrollfragen an die gesamte Klasse Gelegenheit für den einzelnen bieten, zu beweisen, dass er mehr weiß und alles etwas besser verstanden hat als seine Klassenkameraden. Die kognitiven Elemente, die das Leistungsmotiv formen, sind: die Wahrnehmung einer Situation als einer Herausforderung zur Leistunug, das Erleben eines Bedürfnisses, sich erfolgreich auszuzeichnen, die Vorwegnahme des Risikos, zu scheitern bzw. der Chance, Erfolg zu haben (…). Prüfungsangst entsteht in der Regel aus einem Komflikt, nämlich zwischen dem Bestreben, sich mit Hoffnung auf Erfolg einer Leistungssituation zu stellen, und dem Bestreben, gerade diese Leistungssituation aus Furcht vor einem Mißerfolg zu vermeiden. Zufriedenheit mit der Schule ist ein Ausdruck dafür, dass in diesem Konflikt die Erfolgsorientierung überwiegt, Schulunlust kennzeichnet die individuelle Situation eines Jugendlichen, bei dem im Leistungskonflikt die Mißerfolgskomponente überwiegt” (Marschall, Peter & Zenz, Helmuth (1975). Körperliches und seelisches Wohlbefinden in der Schule und im Studium. In: Reimann, Helga & Reimann, Horst (Hrsg.). Die Jugend. EInführung in die interdisziplinäre Juventologie. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.174-176)

 

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