Pädagogik: Hochbegabung

Hochbegabung ist in der Pädagogik ein wiederkehrendes Thema. Die Entwicklung ist zwischenzeitilch bei elaborierten Modellen, wie dem Münchner Modell für Hochbegabung angelangt. Grundsätzliche Fragen, die sich mit Hochbegabung verbinden, sind dadurch aber nicht gelöst worden, vielmehr sind sie zu Modellbestandteilen geworden, Fragen, wie:

  • Ist Hochbegabung ein Potential, das unabhängig vom Ergebnis vorhanden ist?
  • Ist Hochbegabung nur über ein messbares Ergebnis bestimmbar?
  • Ist Hochbegabung nur anhand bestimmter, origineller bzw. kreativer Ergebnisse feststellbar?

Einer der wenigen, die diese Fragen in einem Modell sowohl theoretisch als aus konzeptionell beantwortet haben, ist Joseph Renzulli. In seiner Three Ring Conception of Giftedness ist die allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit nur eine von insgesamt drei Komponenten ansah, aus denen sich Hochbegabung zusammensetzt.

Dementsprechend hat sich Renzulli in seiner Definition von Hochbegabung nicht auf “Intelligenz” beschränkt oder konzentriert. Vielmehr ist Hochbegabung für Renzulli das Ergebnis eines Zusammenspiels von überdurchschnittlicher Fähigkeit (above average ability), Engagement für die Lösung von Aufgaben und Kreativität. Hochbegabte sind für Renzulli Personen, die die drei genannten Merkmale haben oder diese entwickeln können und die sie auf alle Bereiche menschlicher Leistung anwenden (können) (Renzulli 1998: 159). 

Unter überdurchschnittliche Fähigkeiten fasst Renzulli die weit entwickelte Fähigkeit, abstrakt zu denken, die Fähigkeit, flüssig zu sprechen, sowie das Argumentieren in Wort und Zahl. Überdurchschnittlich fähig ist darüber hinaus, wer sich an neue Situationen gut anpassen kann und wer sein Wissen auf neue Bereiche anwenden kann. Unter “task commitment” subsumiert Renzulli Eigenschaften wie großes Interesse, Enthusiasmus, Faszination für einen Forschungsgegenstand sowie die notwendige Hartnäckigkeit und Ausdauer, um bei der Sache zu bleiben und ein bestimmtes Problem zu lösen. Kreativität umfasst Eigenschaften wie Flexibilität, Originalität und Offenheit.

In der Schnittmenge dieser drei Komponenten oder Ringe verortet Renzulli das “gifted behavior”, d.h. das hochbegabte Verhalten: “Gifted behavior consists of behaviors that reflect an interaction among three basic clusters of human traits; these clusters being above average general and/or specific abilities, high levels of task commitment, and high levels of creativity. Gifted and talented children are those possessing or capable of developing this composite set of traits and applying them to any potentially valuable area of human performance. Children who manifest or are capable of developing an interaction among the three clusters require a wide variety of educational opportunities and services that are not ordinarily provided through regular instructional programs“ (Renzulli 1998: 145).

Renzulli, Joseph S. (1999). What Is This Thing Called Giftedness, and How Do We Develop It? A Twenty-Five Year Perspective. Journal for the Education of the Gifted 23 (1): 3-54.

Renzulli, Joseph S. (1998). The Three-Ring Conception of Giftedness. In: Baum, S. M., Reis, S. M. & Maxfield, L. R. (Hrsg.): Nurturing the Gifts and Talents of Primary Grade Students. Mansfield: Creativ Learning Press, S. 140-171.