Soziale Kontrolle

“Soziale Kontrolle” ist einer der Begriffe, die sehr häufig in Soziologie, Sozialer Arbeit oder anderen Fächern der Sozialwissenschaften benutzt werden. Und es ist einer der Begriffe, die recht häufig unbestimmt gelassen werden, die eine Black Box darstellen, von deren Inhalt jeder meint, eine gewisse Vorstellung zu haben.

George C. Homans sich hat in seiner Mongraphie, “Theorie der sozialen Gruppe” umfangreich mit sozialer Kontrolle beschäftigt und dabei u.a. gezeigt, dass soziale Kontrolle ein Ergebnis reziproker Beziehungen in menschlichen Interaktionen, wie sie in sozialen Gruppen stattfinden, ist. Er schreibt dazu:

Wir wollen noch einmal zusammenfassen, was wir über die soziale Kontrolle bisher erfahren haben:

  1. Kontrolle ist der Prozess, durch den das Verhalten eines Menschen, der von seinem bestehenden Ausmaß der Einhaltung einer Norm abgewichen ist, auf dieses Ausmaß zurückgebracht wird beziehungsweise im Falle seines Abweichens zurückgebracht würde. Die folgenden Aussagen gelten sowohl für wirkliche als auch für virtuelle Abweichungen.
  2. Es gibt nichts Neues in der Kontrolle, kein besonderes Element, das wir nicht schon als in die soziale Organisation eingehend nachgewiesen haben.
  3. Die einzelnen Kontrollen sind weiter nichts als die differential aufgefassten alten Beziehungen der gegenseitigen Abhängigkeit.
  4. Die Kontrolle im ganzen ist soweit wirksam, als die Abweichungen eines Individuums von einem bestehenden Ausmaß der Normeinhaltung nicht nur eine, sondern viele einzelne Kontrollen in Tätigkeit setzen.
  5. Das heißt, jede Abweichung aktiviert das System der Beziehungen dahingehend, um zukünftige Abweichungen zu verhindern.
  6. Strafe führt nicht unbedingt zu Kontrolle. Den Zustand eines sozialen Systems, in dem die Kontrolle wirksam ist, bezeichnen wir als den Gleichgewichtszustand dieses Systems”. (Homans, Theorie der sozialen Gruppe, S.288).