Soziologie: Soziale Rolle

Ralf Dahrendorf hat mit seinem 1958 veröffentlichten Buch „Homo Sociologicus“ das Konzept der sozialen Rolle in Deutschland eingeführt. Dahrendorf vertritt darin eine Auffassung, die Wiswede (1997: 181) als funktionalistische Perspektive ansieht: Soziale Rollen sind an der Schnittstelle zwischen Individuum und Gesellschaft und haben drei konstituierende Elemente: „(1) Soziale Rollen sind gleich Positionen quasi-objektive vom Einzelnen prinzipiell unabhängige Verhaltensvorschriften. (2) Ihr besonderer Inhalt wird nicht von irgendeinem Einzelnen, sondern von der Gesellschaft bestimmt und verändert. (3) Die in Rollen gebündelten Verhaltenserwartungen begegnen dem Einzelnen mit einer gewissen Verbindlichkeit des Anspruchs, so dass er sich ihnen nicht ohne Schaden entziehen kann.“ (Dahrendorf 1977: 35). Diese Konzeption der sozialen Rolle als Schnittstelle zwischen Individuum und Gesellschaft hat Dahrendorf von Ralph Linton übernommen: „A status, as distinct from the individual who may occupy it, is simply a collection of rights and duties. … A role represents the dynamic aspect of status and occupies it with relations to other statuses. When he puts the rights and duties which constitue the status into effect, he is performing a role.” (Linton: 1936: 28)

Wer eine soziale Rolle besetzt, übernimmt somit die Verhaltenserwartungen, die an diese Rolle geknüpft sind, und diese Verhaltenserwartungen sind nicht unbedingt, das, was er sich wünscht, d.h. so mancher muss Rollen spielen und Verhaltenserwartungen gerecht werden, denen er gar nicht gerne gerecht wird. Und weil dem so ist, sind an Rollen auch Sanktionen geknüpft, die – falls die Rollenerwartung nicht erfüllt werden, greifen. Dahrendorf unterscheidet drei Arten von Erwartungen, mit denen unterschiedliche Formen der Sanktion verbunden sind: „Muss-„, „Soll-“ und „Kann-Erwartungen“. Muss-Erwartungen sind zu erfüllen, das sagt schon das Wort. Werden sie dennoch nicht erfüllt, dann erfolgen legalistische Sanktionen (zuweilen jedenfalls). So ist es eine Muss-Erwartung an den Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, dass er die Sozialabgaben für seine Arbeitnehmer entrichtet. Tut er es nicht, bleibt er den Krankenkassen die Arbeitnehmer­beiträge zur Sozialversicherung schuldig, dann wird er bestraft, und zwar wegen „Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt“ (§266a, StGB). Soll-Erwartungen, „deren erzwingbare Verbindlichkeit kaum geringer ist als die der Muss-Erwartungen“ (Dahrendorf 1977: 38) beschreiben Dinge, „die man tut“. Als Vorsitzender eines Vereines muss man sich an Vereinsaktivitäten beteiligen, als Gewerbetreibender in einem kleinen Ort zu Neujahr bei seinen Kunden für die Treue bedanken und ihnen ein „gutes Neues Jahr“ wünschen. Wer Soll-Erwartungen stets erfüllt, kann mit der Sympathie seiner Mitmenschen rechnen. Schließlich gibt es noch Kann-Erwartungen, die sich auf freiwillig übernommene Rollen beziehen und auf die Aktivitäten, die mit ihnen verbunden sind. Wer ihnen gerecht wird, wird geschätzt, wer nicht erntet Antipathie. Das ist der Hintergrund, vor dem sich Rollenkonflikte ergeben.

Die funktionalistische Perspektive ist nur eine Möglichkeit ist, das Konzept der sozialen Rolle zu fassen. Die symbolisch-interaktionistische Perspektive ist eine andere: „Zum ersten erscheint Rolle hier weniger als etwas Vorgegebenes, das als unabhängige Variable in die Analyse eingeführt wird. Rollen werden nach dieser Vorstellung in Interaktionsprozessen eingespielt, angeeignet, ausgehandelt, bestätigt und ständig verändert; sie unterliegen ferner unterschiedlicher Interpretation und Deutung.“ (Wiswede 1997: 182) Im Gegensatz zur funktionalistischen Perspektive hat bei der symbolisch-interaktionistischen Perspektive der Einzelne bei dem, was an Verhaltenserwartungen mit seiner Rolle verbunden ist, ein Wörtchen mitzureden. Er hat eine gewisse Gestaltungsfreiheit, wenngleich auch dieser Grenzen gesetzt sind, denn die Darstellung dessen, der eine Rolle spielt, muss von anderen gedeutet werden, d.h., der Spielende muss sich in einem Rahmen bewegen, der von denen, die ihm zusehen, verstanden wird. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei Erving Goffman: „Wenn ein Darsteller eine etablierte soziale Rolle übernimmt, wird er im allgemeinen feststellen, dass es bereits eine bestimmte Fassade [also bestimmte Erwartungen] für diese Rolle gibt. Ob er die Rolle nun in erster Linie übernommen hat, weil er die gestellte Aufgabe erfüllen wollte, oder etwa, weil ihn die entsprechende Fassade reizte, immer wird er feststellen, dass er beiden entsprechen muss. Wenn weiterhin der Einzelne eine Aufgabe übernimmt, die nicht nur ihm neu, sondern die zugleich auch in der Gesellschaft noch nicht etabliert ist, oder wenn er den Standpunkt, von dem aus seine Aufgabe betrachtet wird, verändern will, so wird er im allgemeinen feststellen, dass bereits mehrere wohletablierte Fassaden existieren, zwischen denen er seine Wahl zu treffen hat. Wenn also eine Aufgabe eine andere Fassade erhält, so ist sie doch selten wirklich neu.“ (Goffman 1997: 28)

Herzlich Willkommen bei Ghostwriter-24!

Ghostwriter-24 ist ein besonderer Ghostwriter.

Alle Mitarbeiter von Ghostwriter-24 sind seit Jahren als Ghostwriter aktiv.

Wir sind Profis mit entsprechender Expertise.

Wir werben nicht!

Ca. 70% unserer Kunden kommen durch Empfehlungen zu uns

oder sind Stammkunden.

Bei Ghostwriter-24 haben Sie direkten Kontakt mit Ihrem Autor, kein Mittelsmann erschwert die Kommunikation.

Kontaktieren Sie uns, um die Vorteile von Ghostwriter-24 zu nutzen.

Einen Überblick über unser Leistungsangebot erhalten Sie hier.