Max Weber: Legitime Formen der Herrschaft

Jede politische Ordnung hat im Kern ein System der Herrschaft, wobei Herrschaft letztlich die Fähigkeit beschreibt, andere zur Akzeptanz oder zur Ausführung bestimmter Handlungen zu bewegen. Dieses “Bewegen” kann über eine Reihe von Mitteln erfolgen, die die Legitimität einer Herrschaft begründen. Max Weber ist der Autor, der den grundlegendsten Beitrag zur Legitimität von Herrschaft und den verschiedenen Formen, in denen sie auftritt, geleistet hat und Dirk Käsler ist wiederum der, der mit am meisten über Max Weber geschrieben hat.

“‘Keine Herrschaft begnügt sich nach aller Erfahrung, freiwillig mit den nur materiellen oder nur affektuellen oder nur wertrationalen Motiven ihres Fortbestandes. Jede versucht vielmehr den Glauben an ihre ‘Legitimität’ zu erwecken und zu pflegen. Je nach der Art der beanspruchten Legitimität aber ist auch der Typus des Gehorchens, des zu dessen Garantie bestimmten Verwaltungssstabes und der Charakter der Ausübung der Herrschaft grundverschieden. Damit aber auch ihre Wirkung. Mithin ist es zweckmäßig, die Arten der Herrschaft je nach dem typischen Legitimitätsanspruch zu unterscheiden’ (…).

[…]

So unterscheiden sich seine drei ‘reinen’ Typen legitimer Herrschaft einzig und allein durch ihre jeweilige Legitimitätsgeltung. Diese ‘[…] kan nämlich primär sein:

  1. rationalen Charakters: auf dem Glauben an die Legalität gesetzter Ordnung und des Anweisungsrechts der durch die Ausübung der Herrschaft Berufenen ruhen (legale Herrschaft), oder
  2. traditionalen Charakters: auf dem Alltagsglauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen und die Legitimität der durch sie zur Autorität Berufenen ruhen (traditionale Herrschaft), oder endlich
  3. charismatischen Charakters: auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie offenbarten oder geschaffenen Ordnungen beruhen (charismatische Herrschaft).

Im Fall der satzungsmäßigen Herrschaft wird der legal gesatzten sachlichen unpersönlichen Ordnung und dem durch sie bestimmten Vorgesetzten kraft formaler Legalität seiner Anordnungen und in deren Umkreis gehorcht.

Im Fall der traditionalen Herrschaft wird der Person des durch Tradition berufenen und an die Tradition (in deren Bereich) gebundenen Herrn kraft Pietät im Umkreis des Gewohnten gehorcht.

Im Fall der charismatischen Herrschaft wir dem charismatisch qualifizierten Führer als solchem kraft persönlichen Vertrauens in Offenbarung, Heldentum oder Vorbildlichkeit im Umkreis der Geltung des Glaubens an dieses sein Charisma gehorcht'” (Käsler, Max Weber, S.209-210).