Pädagogik: Lernen

Worin zeigt sich, dass gelernt wurde? Woran erkennt man, dass die Vermittlung von Wissen zu einem Ergebnis geführt hat? Die Fragen sind nicht trivial. Sie betreffen vielmehr den Kern dessen, was Pädagogik ist.

Dabei stehen sich zwei Positionen der Bestimmung von Lernen gegenüber: Die eine Position sieht Lernen dann gegeben, wenn ein Organismus nach neuer Information sein Verhalten ändert. Die zweite Position sieht dies etwas anders:

“Lernen ist der Prozess, durch den Verhalten aufgrund von Interaktionen mit der Umwelt oder Reaktionen auf eine Situation relativ dauerhaft entsteht oder verändert wird, wobei auszuschließen ist, dass diese Änderung durch angeborene Reaktionsweisen, Reifungsvorgänge der vorübergehende Zustände des Organismus (Ermüdung, Rausch oder ähnliches) bedingt ist” (Helmut Skowronek, 1969, Lernen und Lernfähigkeit, S.11).”

Giesecke sieht dies anders:

“Lernen als beobachtbare Verhaltensänderung zu bestimmen ist nur dort sinnvoll, wo es sich um eindeutige, das heißt nicht der Interpretation bedürftige Lernergebnisse handelt. Bei der Interpretation von lyrischen Texten oder von historischen Ereignissen aber gibt es zum Beispiel einen mehr oder weniger großen Spielraum vernünftiger Antworten. Unterstellen wir, dass es bei der Interpretation eines bestimmten Gedichts drei plausible Varianten geben könnte, dann können diese drei Varianten zwar vorher als gewünschte Verhaltensänderung vorgegeben werden. Aber dann würden diese Varianten ja in einem vernünftigen Schulunterricht miteinander in die Diskussion geraten müssen, und welches Ergebnis soll dann die gewünschte Verhaltensänderung sein?

Diese kritischen Anmerkungen sollen darauf hinweisen, dass es zweckmäßig ist, den Lernbegriff, insofern er das Generalthema der Pädagogik überhaupt enthält, in seiner umgangssprachlichen, wenn auch mehrdeutigen und notwendig unscharfen Bedeutung festzuhalten und nur bestimmte Lernaufgaben nach dem Muster des eben erörteren Verhaltens-Modells anzugehen” (Hermann Giesecke, 2004, Einführung in die Pädagogik, S.47-48)