Qualitative Sozialforschung: Ethnographische Interviews

Zwar verbreitet sich selbst an Hochschulen immer mehr die Meinung, dass man qualitative Sozialforschung einfach so betreiben könne. Dennoch gibt es einen festen Kanon von Methoden der Datenerhebung und der Datenauswertung. Zuweilen sind die Methoden sehr vage und unbestimmt, aber dennoch geben sie zumindest einen Anhaltspunkt, in welche Richtung z.B. ein ethnographisches Interview gehen soll, welchen Gegenstand es normalerweise hat und wie es durchgeführt wird.

Wer nach entsprechenden Antowrten sucht, wird aufs Erste bei Uwe Flick fündig:

“Ethnographische Interviews beinhalten … folgende Bestandteile:

  • einen expliziten Zweck des Gesprächs (der aus der Fragestellung resultiert);
  • ethnographische Erklärungen, in denen der Interviewer das Projekt (warum überhaupt ein Interview) oder die Aufzeichnung bestimmter Äußerungen darlegt (warum er etwas notiert); ergänzt werden diese durch alltagssprachliche Erklärungen (mit dem Ziel, dass Informanten Zusammenhänge in ihrer Sprache darstellen), Interviewerklärungen (die verdeutlichen, warum diese spezifische Gesprächsform gewählt wird, mit dem Ziel, dass der Informant sich darauf einlässt) und Erklärungen für bestimmte (Arten von) Fragen, mit denen die Art des Fragens explizit eingeführt wird.
  • ethnographische Fragen, d.h. beschreibende Fragen, strukturelle Fragen (deren Beantwortung zeigen soll, wie Informanten ihr Wissen über den Gegenstand organisieren) und kontrastive Fragen (aus denen Informationen resultieren sollen über Bedeutungsdimensionen, die Informanten verwenden, um Gegenstände und Ereignisse in ihrer Welt zu unterscheiden).

Bei dieser Methode stellt sich durch den offenen Rahmen das allgemeine Problem der Herstellung und Aufrechterhaltung von Interviewsituationen in pointierter Form.” (Flick, Qualitative Sozialforschung, S.220-221).