Psychologie: Latente Variablen

Die Psychometrie als Sparte der Psychologie hat durch die Einführung statistischer Analysemethoden einen erheblichen Schwung erhalten. Die quantitative Psychologie, wie sie von manchen Autoren genannt wird, hat eine Vielzahl neuer Test- und Messverfahren entwickelt, ohne die weite Teile z.B. der Psychologie der Persönlichkeit, z.B. die Analysen auf Basis der Big Five nicht denkbar wären.

Persönlichkeitsfaktoren gelten seit Allport als latente Variablen, die erschlossen werden müssen und nicht direkt gemessen werden können. Ein Verfahren, das es ermöglicht, latente Variablen zu messen und ohne dessen Advent die Persönlichkeistforschung nicht in der Weise möglich wäre, wie sie heute betrieben wird, ist die Faktorenanalyse, die wie Geider, Rogge und Schaaf schreiben, die folgenden Operationen beinhaltet oder umfasst:

    • Feststellung des Ausmaßes an Kovariation der Items;
    • Ermittlung der hypothetischen Größen (Faktoren) aus den Kovariationsanteilen;
    • Ermittlung der faktoriellen Ausstattung (Art und Umfang) jeden einzelnen Items;
    • Bestimmung der durch die Faktoren einzeln und insgesamt aufgeklärten Varianzanteile;
    • Lageänderung (Rotation) der Faktorenstruktur zur Optimierung der Interpretationsmöglichkeiten;
    • Feststellung der faktoriellen Zusammensetzung individueller Itembeantwortung (Bildung von factor scores; score = Datum, numerische Größe, Wert);

Eine Erklärung der für die Faktorenanalyse so zentralen Kovariation findet sich einige Seiten weiter:

“Entsprechend den Grundüberlegungen zur Varianz einer Variablen interessieren die Abstände der Einzeldaten vom zugehörigen Mittelwert, bei der Betrachtung gemeinsamer Variation bezogen auf ein Meßwertpaar, [also die Abstände jedes einzelnen Meßwerts vom jeweiligen Mittelwert]. Werden diese Differenzen für jedes Meßwertpaar erst ausmultipliziert, dann die entstandenen Produkte aufsummiert und wird die gebildete Produktsumme in Relation zur Anzahl der vorhandenen Meßwertpaare gesetzt, dann ergibt sich ein die Kovaration kennzeichnendes Maß: die Kovarianz als … das mittlere Produkt der Abweichungspaare” (Geider, Rogge & Schaaf, Einstieg in die Faktorenanalyse, S.76-79).