Qualitative Methoden: Dokumentarische Methode

Was macht man mit einem Berg von Papier, auf dem transkribiert wurde, was zuvor in mehreren qualitativen Interviews an Material angefallen ist? Die meisten Lehrbücher hüllen sich hier in Schweigen oder erklären in weitgehend abstrakter Weise, was man mit den vielen Worten tun soll. Ausnahmen, wie die Grounded Theory von Glaser und Strauss oder die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring, die ihre jeweilige Methode sehr genau beschreiben, haben vermutlich dazu geführt, dass die entsprechenden Methoden so beliebt sind, wenngleich auch bei Mayring oder Glaser und Strauss viel an Kenntnis dessen, was man eigentlich erlernen soll, vorausgesetzt wird.

Eine weitere Methode, die gut dokumentiert und von Bohnsack beschrieben wurde, ist dessen Version einer dokumentarischen Methode, die auf theoretischen Vorarbeiten von Garfinkel und Mannheim aufbaut. Grundlegend für die dokumentarische Methode ist die von Mannheim eingeführte Unterscheidung in Verstehen und Interpretieren. Das Verstehen von Handlungen oder kulturellen Artefakten erfolgt nach Ansicht von Mannheim intuitiv, denn es rekuriert auf einen gemeinsamen Erfahrungszusammenhang. Wer den Erfahrungszusammenhang nicht hat oder nicht teilt, kann entsprechend nicht verstehen.

Daraus ergibt sich die erste Aufgabe des qualitativen Sozialforschers: Er muss den Erfahrungszusammenhang, der Aussagen seiner Interviewten zugrunde liegt, herausarbeiten.

Dem Verstehen soll das Interpretieren folgen. Interpretiern wird hier als Ergebnis einer kommunikativen Beziehung verstanden, in der z.B. Interviewter und Interviewer zueinander stehen. Als Konsequenz besteht die Aufgabe eines Sozialforschers darin, den Sinngehalt von Aussagen auf Grundlage dessen, was Schütz “um zu Motive” genannt hat, zu erschließen. Um zu Motiven beschreiben den Grund z.B. einer Handlung. Ich gehe zum Bäcker, um dort ein Brot zu kaufen. Folglich geht es darum kausale Handlungsinterpretationen auf Grundlage einer zweckrationalen Bestimmung der Handlungsmotive vorzunehmen.

Hier findet sich eine Verbindung der dokumentarischen Methode zur Grounded Theory.

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