Politische Anthropologie: Staatenbildung

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es zu Staatenbildung gekommen ist?

Wir sind es heute gewöhnt, in Ländern, Deutschland, Frankreich, Großbritannien zu denken. Aber Länder gibt es nicht seit jeher. Irgendwann müssen Menschen angefangen haben, sich in Gebilden, die man als Frühstaaten bezeichnet, zu organisieren. Die politische Anthropologie untersucht u.a. diese Frühformen menschlicher, politischer Ordnung.

So definieren Claessen und Skalnik (1978: 640) einen Frühstaat (early stat) als “a centralized  socio-political organization for the regulation of social relations in a complex, stratified society divided into at least two basic strata, or emergent social classes – viz, the rulers and the ruled – whose relations are characterized by political dominance of the former and tributary obligations of the latter, legitimized by a common ideology …”.

Die Definition verweist darauf, dass soziale Klassen eine Voraussetzung für die Staatenbildung sind, sie sind jedoch nicht die Ursache, denn ein Unterschied im Zugang und in der Verteilung sozialer Ressourcen besteht lange bevor es Staaten gibt. Entsprechend haben Claessen und Skalnik vier Faktoren identifiziert, die die Staatenbildung direkt beeinflussen, die kausal für die Staatenbildung sind:

  1. Ein Bevölkerungswachstum, das zu einem Bevölkerungsdruck führt;
  2. Krieg oder eine Kriegsgefahr;
  3. Eroberung durch andere Gruppen;
  4. Einfluss vorher existierender Staaten;

Die meisten frühen Staaten, so die Autoren, scheinen sich als Folge einer Kombination der vier Punkte gebildet zu haben.

Claessen, Henri J. M. & Skalnik, Peter (1978). The Early State: Theories and Hypotheses. In: Claessen, Henri J.M. & Skalnik, Peter (eds.). The Early State. The Hague: Mouton.