Ökonomie: Intertemporale Konsumentenentscheidungen

Die Vorhersage von Konsumentenentscheidungen oder deren Modellierung basiert bekanntlich auf Präferenzen. Nun stellt sich die Frage, ob und wenn ja, wie und aus welchem Grund sich Präferenzen zwischen zwei Zeitpunkten verändern können, anders formuliert, wenn ein Konsument zum Zeitpunkt t0 eine Präferenz für ein blaues t-Shirt hat, hat er dann zum Zeitpunkt t1 dieselbe Präferenz oder wählt er ein anderes t-Shirt, wenn ja, warum und wenn ja, wie kann man diese veränderte Präferenz vorhersagen?

Lancaster gibt die Antwort der Schul-Mikroökonomie:

Wir würden nun erwarten, dass der normale Konsument die drei gegebenen Güterbündel in der Reihenfolge X, Y, Z bevorzugt. Das heißt, wenn er die Wahl hat zwischen Güterkombinationen, die dieselbe Gesamtmenge an Gütern repräsentieren und deren Verteilung im Zeitablauf nicht zu stark divergiert, dann vermuten wir, dass der Verbraucher die Situation bevorzugt, in der er heute mehr und morgen weniger hat als umgekehrt.

Diese Annahme bezüglich der Konsumentenpräferenzen im Zeitablauf wird oft als Ungeduld bezeichnet. Es handelt sich insofern um eine starke Annahme, als wir im Falle einer statistischen Analyse – das heißt, wenn wir heute und morgen durch Gut A und Gut B ersetzen – keinerlei konkrete Erwartungen hinsichtlich der bevorzugten Kombination äußern könnten.

Obwohl wir alle KOnsumenten als ‘ungeduldig’ betrachten, hängt das jeweilige Ausmass an Ungeduld letztich vom einzelnen ab. Dies lässt sich anhand eines Vergleichs von Güterbündeln veranschaulichen, zwischen denen das Individuum indifferent ist. Wir gehen von zwei Konsumenten I und II und den folgenden Boebachtungen aus:

I ist indifferent zwischen

  1. 110 heute und 100 morgen und
  2. 100 heute und 111 morgen.

II ist indifferent zwischen

  1. 110 heute und 100 morgen und
  2. 110 heute und 112 morgen

Hieraus können wir folgern, dass II ‘ungeduldiger’ ist als I, da II im Vergleich zur Kombination 1) – morgen zwölf zusätzliche Einheiten benötigt, um den heutigen Verlust von zehn wettzumachen, wohingehen I zur Kompensation desselben Verlustes nur elf morgige Einheiten benötigt.

(Lancaster, Moderne Mikroökonomie, S.348-349.)