Philosophie: Alte Griechen und Demokratie

Zu Zeiten von Platon und Aristoteles war die Demokratie eine neue Regierungsform, die u.a. von Platon und Aristoteles als “Herrschaft der Armen” oder “Pöbelherrschaft”[1] bezeichnet wurde, wie man in Heft 284 der von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebenen Informationen zur Politischen Bildung nachlesen kann.

Demokratie, so steht im selben Heft zu lesen, heiße „Mehrheitsherrschaft“. Das Kriterium, das die Demokratie von anderen Formen der Regierung unterscheidet ist demnach die Menge, der am „tatsächlichen Willensbildungsprozess Beteiligten“.[2]

Pötzsch schreibt dagegen in seinem von der Bundeszentrale für Politische Bildung publizierten Buch über die deutsche Demokratie: „Demokratie heißt wörtlich ‚Herrschaft des Volkes‘“, und qualifiziert weiter: „Über die eigene Regierung mitbestimmen, frei die eigene Meinung äußern…“.[3] Demokratie geht bei Pötzsch vom Volke aus, wird von anderen, so genannten Repräsentanten wahrgenommen, aber dennoch mit der griechischen Bedeutung „Herrschaft des Volkes“ gleichgesetzt.

Demokratie, im Sinne des Aristoteles, ist jedoch etwas anderes als die vermittelte Herrschaft des Volkes oder die Repräsentation des Volkes durch eine Politikerklasse: „Grundlage der demokratischen Verfassung ist die Freiheit: es ist doch das, was man im Munde zu führen pflegt, als ob man allein in dieser Verfassung (…) an der Freiheit teilhätte, denn das, sagt man, sei das Ziel der Demokratie. Von der Freiheit nun aber ist zunächst ein Stück, dass das Regieren und Regiertwerden reihum geht. Denn das demokratische Recht (…) ist die Gleichheit nach der Zahl und nicht nach der Würdigkeit (…). Wo aber das für das Recht gilt, da muss notwendig die große Masse (…) die entscheidende Gewalt haben“.[4]

Für Aristoteles ist Demokratie also das, was man heute direkte Demokratie oder Basisdemokratie[5] nennen würde und entsprechend richtet sich seine Kritik, denn Kritik ist das, was Aristoteles im Wesentlichen zur Demokratie einfällt, gegen Konsequenzen, die sich aus dieser Konzeption von Demokratie ergeben. Demokratie ist ein Begriff, der im Verlauf der Jahrhunderte seinen Inhalt verändert hat und, wie Vorländer schreibt, im politischen Denken umstritten geblieben ist. „Das liegt vor allem daran, dass Demokratie nie ein nur empirischer oder deskriptiver Begriff geblieben ist, sondern immer auch ein normatives Ideal umschrieben hat“.[6]

[1] Vorländer, Hans (2004) : Vorländer, Hans (2003). Demokratie: Geschichte, Formen, Theorien. München: C.H. Beck.
[2] Frevel (2009), S.24: Frevel, Bernhard (2009). Demokratie: Entwicklung – Gestaltung – Problematisierung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
[3] Pötzsch (2009), S.9: Pötzsch, Horst (2009). Die Deutsche Demokratie. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung.
[4] Aristoteles (1998), 1317a-1317b: Aristoteles (1998). Politik (Schriften zur Staatstheorie, herausgegeben von Franz Ferdinand Schwarz). Stuttgart: Reclam.
[5] Saage (2005), S.285: Saage, Richard (2005). Demokratietheorien: historischer Prozess, theoretische Entwicklung, soziotechnische Bedingungen. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
[6] Vorländer (2003)., S.9: s.o.