Das Ziel von Wissenschaft: Die Erklärung der Realität

Wissenschaft ist kein Selbstzweck.

Was Wissenschaftler tun und tun sollen, ist auf ein Ziel gerichtet, nämlich das Ziel, befriedigende Erklärungen über Geschehnisse in der Realität, Objekte der Realität oder deren Strukturen zu produzieren.

Welche Kriterien eine befriedigende Erklärung erfüllen muss, das hat Karl Raimung Popper in seinem Aufsatz “Die Zielsetzung der Erfahrungswissenschaft” dargestellt:

“Mit einer (kausalen) Erklärung ist eine Klasse von Sätzen gemeint, von denen einer den Sachverhalt beschreibt, der erklärt werden soll (das explicandum), während die anderen, die erklärenden Aussagen, die ‘Erklärung’ im engeren Sinne des Wortes bilden (das explicans des explicandums).

Wir können in der Regel annehmen, dass das explicandum, mehr oder weniger, als wahr erkannt ist oder dass von ihm vorausgesetzt wird, es sei als wahr erkannt. Denn es hat wenig Zweck, nach einer Erklärung für den Stand von Dingen zu fragen, der sich als völlig imaginär herausstellen kann. (Fliegende Untertassen können einen solchen Fall darstellen: Was wir brauchen, ist vielleicht nicht eine Erklärung der fliegenden Untertassen, sondern der Berichte über fliegende Untertassen; sollten aber fliegende Untertassen existieren, dann wäre keine weitere Erklärung für die Berichte erforderlich.) Das epxlicans andererseits, das wir aufzufinden suchen, wird in der Regel nicht bekannt sein; es muss entdeckt werden. Daher wird die wissenschaftliche Erklärung. wenn immer sie eine Entdeckung ist, die Erklärung des Bekannten durch das Unbekannte sein.

Das explicans muss, um befriedigend zu sein (befriedigend in einem höheren oder geringeren Grad), eine Anzahl von Bedingungen erfüllen. Erstens muss das explicandum logisch aus ihm folgen. Zweitens sollte das explicans wahr sein, obwohl es im allgemeinen nicht als wahr bekannt sein wird; auf jeden Fall darf es, selbst nach strengster Prüfung, nicht als falsch erkannt werden. Wenn es nicht als wahr erkannt ist (wie dies gewöhnlich der Fall sein wird), dann müssen unabhängige Zeugnisse zu seinen Gunsten sprechen, oder, in anderen Worten, es muss auf unabhängige Weise prüfbar sein; und es wird desto befriedigender sein, je unabhängiger und strenger die Prüfungen waren, denen es standgehalten hat.” (Popper; Die Zielsetzung der Erfahrungswissenschaft, S.229-230)