Grundlagen der empirischen Sozialforschung: Die nominelle und die operationelle Definition von Begriffen

Schaut man in eine beliebige Zeitung oder Zeitschrift, so stellt man schnell fest, dass es zu jedem beliebigen Thema und jedem beliebigen Zusammenhang Studien, ja, eine regelrechte „Studieninflation“, gibt. Man gewinnt den Eindruck, dass empirische Sozialforschung einfach ist und jeder einfach einmal eine Befragung zu einem Thema oder einem Zusammenhang, das/der ihn interessiert, durchführen kann.

Schaut man genauer hin, merkt man schnell, dass diese Studien oft keine ernstzunehmenden Studien sind. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass jemand naiv aufgrund seines Alltagsverständnisses Fragen formuliert hat, von denen er hofft, dass die Befragten sie in seinem Sinn verstehen werden oder sie so verstehen werden, wie das nach Meinung des Fragenden vielleicht jeder normale Mensch verstehen wird. Tatsächlich ist empirische Sozialforschung und besonders die Befragung aber eine anspruchsvolle Angelegenheit. Die Methodenausbildung ist nicht umsonst ein integraler Bestandteil der Lehre an vielen sozialwissenschaftlichen Fakultäten.

Jede empirische Untersuchung eines Themas oder eines Zusammenhangs beginnt damit, dass man sich klar macht, dass man niemals einfach hinausgeht in die Welt, um dort z.B. das Wirtschaften in Familien zu erforschen. Zwar hat jeder von uns eine Vorstellung von „Familie“ und im Alltag machen wir meistens die Erfahrung, dass unsere Gesprächspartner keine Überraschung zeigen, wenn wir von unseren Eltern als unserer Familie sprechen. Manche meinen deshalb, es sei doch klar, was eine Familie ist.

Spricht man mit älteren Personen, kann es aber sein, dass sie, wenn sie von ihrer Familie erzählen, u.a. von ihrer Cousine zweiten Grades erzählen, also der Tochter des Cousins von Vater oder Mutter. Jüngere Menschen wissen oft gar nicht (genau), wer eine Cousine zweiten Grades ist und kennen diese Person, sofern existent, gar nicht, zählen sie jedenfalls nicht zur Familie. Oder Menschen sprechen – vielleicht in Abhängigkeit von ihrem Lebensalter – von ihrem Ehe- oder Lebenspartner und eigenen Kindern oder den Kindern des Ehe- oder Lebenspartners, wenn sie von ihrer Familie erzählen, während andere Menschen von ihren Eltern und Geschwistern als von ihrer Familie, also ihrer Herkunftsfamilie, erzählen.

Ein Sozialforscher muss in Entsprechung mit dem, was ihn warum an der Familie interessiert, all diese Varianten des Verständnisses von „Familie“ berücksichtigen, wenn er sicherstellen will, dass er seine Befragungsdaten am Ende nicht falsch interpretiert und seine Forschung deshalb ein völlig falsches Bild der Realität gibt, in dem die Menschen in ihren „Familien“ leben, oder er muss sich auf bestimmte Varianten von „Familien“ beschränken und will (und kann) dann nur über diese Varianten von „Familien“ Aussagen machen.

In jedem Fall muss er das Konstrukt oder den Begriff „Familie“ wie jeden anderen Begriff, auf den eine Forschung aufgebaut werden soll, definieren. Das geschieht in zwei Schritten:

Zuerst wird eine nominelle Definition von „Familie“ gegeben, d.h. es wird festgelegt, was genau in der geplante Studie unter einer „Familie“ verstanden werden soll oder wer zu einer „Familie“ gezählt werden soll und wer nicht. Dabei muss man darauf achten, dass man seinen Begriff, hier: Familie, nicht zirkulär und nicht nur negativ, also durch Angabe derer, die aus dem Familienbegriff ausgeschlossen sein sollen, oder durch weitere, vage Begriffe definiert, die ihrerseits wieder eine Definition erfordern würden, z.B. in der Form „Zur Familie soll gezählt werden, wer zur engeren Verwandtschaft gehört“ oder „Zur Familie soll gezählt werden, wer kein Fremder, Bekannter, Freund, Nachbar oder Kollege ist und nicht zur weiteren Verwandtschaft gehört“. Die nominelle oder Nominaldefinition soll also positiv und möglichst exakt definiert werden.

Eine Nominaldefinition des Begriffs reicht aber nicht aus. Eine empirische Forschung muss eine zweite Definition liefern, und zwar eine operationelle Definition, meistens einfach „Operationalisierung“ und manchmal „instrumentelle Definition“ genannt. Bei der operationellen Definition handelt es sich um eine Art „Anweisung für Forschungsoperationen …, mit deren Hilfe entscheidbar ist, ob ein mit dem betreffenden Begriff bezeichnetes Phänomen vorliegt oder nicht …“ (Mayntz, Holm & Hübner 1978: 18). Im Beispiel des Begriffs „Familie“ könnte die nominelle Definition festlegen, dass damit nur die biologischen Eltern und leiblichen Geschwister einer Person gemeint sein sollen, und die operationelle Definition gibt an, wie diese Personen identifiziert werden sollen. Beispielweise könnte sie lauten: „Die biologischen Eltern einer Person und ihre leiblichen Geschwister sind all diejenigen, die die Person als solche angibt“ oder sie könnte lauten „Die biologischen Eltern einer Person und ihre leiblichen Geschwister sind all diejenigen, die sich als solche aufgrund von Geburtsurkunden identifizieren lassen“. Im ersten Fall sind die Angaben einer Person die Indikatoren dafür, dass jemand in die Klasse der Personen fällt, die in der nominellen Definition festgelegt wurde, im zweiten Fall dienen Geburtsurkunden als Indikatoren hierfür.

Wie wichtig die klare (nominelle und operationelle) Definition von Begriffen ist, wird besonders dann erkennbar, wenn der Begriff, der beforscht werden soll, einen sehr indirekten Bezug zur beobachtbaren Realität hat, wie z.B. der Begriff „soziale Schichtzugehörigkeit“: „So hat wohl schon manch ein Sozialforscher, der mittels einer mehrdimensionalen Statusskala sozialen Status von Individuen gemessen und diese anschließend nach Höhe ihres gemessenen Status in Schichten eingruppiert hat, am Ende sozialen Status und soziale Schichten für soziale Phänomene gehalten, die so, wie er sie gemessen hat, auch existieren. Die Gefahr liegt dabei darin, dass der Forscher, wenn er seine Ergebnisse interpretiert und seine Schlüsse zieht, am Ende doch wieder auf der Ebene der Begriffe selber und nicht ihrer Operationalisierung argumentiert. Die Interpretationen und Schlußfolgerungen bleiben jedoch genauso fragwürdig, wie es die Beziehung zwischen der Operationalisierung (und damit dem tatsächlich Gemessenen) … und dem mit dem Begriff eigentlich gemeinten Phänomen ist“ (Mayntz, Holm & Hübner 1978: 22).

Deshalb ist immer in Rechnung zu stellen, was in einer Studie, die einen abstrakten Begriff beforscht hat, tatsächlich gemessen hat. Es ist durchaus möglich, dass eine Studie zu „Fermdenfeindlichkeit“ oder gar „Extremismus“ lediglich nach den Meinungen von Personen dazu gefragt hat, ob sie die Anzahl der Flüchtlinge, die Deutschland aufgenommen hat, viel zu hoch, zu hoch, angemessen, zu niedrig oder viel zu niedrig finden. Solche Studien verdienen die Bezeichnung „Studie“, zumindest „wissenschaftliche Studie“ sicherlich nicht.

Literatur:

Mayntz, Renate, Holm, Kurt & Hübner, Peter (1978): Einführung in die Methoden der empirischen Soziologie. Opladen: Westdeutscher Verlag.

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