Martin: Theorien in den Sozialwissenschaften

Der Begriff der “Theorie” wird in den Sozialwissenschaften sehr unterschiedlich benutzt: Sozialwissenschaftler sagen, sie sind auf sozialwissenschaftliche Theorien spezialisiert, wenn sie sich mit dem Werk von Autoren beschäftigen, die als Theoretiker der Sozialwissenschaften gelten, wie z.B. Talcott Parsons, Max Weber oder Pierre Bourdieu. Der Begriff „Theorie“ wird aber auch benutzt, um wichtige Behauptungen oder Grund-Sätze, die man an seine sozialwissenschaftlichen Betrachtungen heranträgt, zu kennzeichnen. Manchmal ist eine „Theorie“ eine Sammlung von Verallgemeinerungen, die man aus der Forschung extrahiert hat, und manchmal besteht sie aus einem Begriffsgebäude, mit dessen Hilfe man seine Beobachtungen beschreiben kann (Martin 2015: 1-10).

Die meisten Sozialwissenschaftler werden John Levi Martin zustimmen können, wenn er eine (sozialwissenschaftliche) Theorie als einen Versuch beschreibt, aus der überindividuellen Ordnung, die wir beobachten, Sinn zu machen (Martin 2001: 188). Je nachdem, wie ein Sozialwissenschaftler versucht, aus dem Beobachteten Sinn zu machen, lassen sich dann verschiedene sozialwissenschaftliche Theorien unterscheiden. Martin unterscheidet schwache und starke sozialwissenschaftliche Theorien:

Schwache sozialwissenschaftliche Theorien versuchen, Sinn aus der überindividuellen oder gesellschaftlichen Ordnung zu machen, indem sie die Warum-Frage stellen und bei der Beantwortung der Warum-Frage die Eigenschaften, Absichten, Motive und Handlungen der Menschen zugrundelegen, ohne Grund-Sätze zu formulieren. Solche Theorien sind eher deskriptiver Art. Sie können beschreiben, wie ein sozialwissenschaftliches Phänomen durch die Handlungen von Menschen zustande kommt oder zustande gekommen ist, aber sie können (und wollen?) keine Erklärung von sozialwissenschaftlichen Phänomenen dieser Art zu verschiedenen Zeiten oder an verschiedenen Orten erklären. Zu den Schöpfern schwacher Theorien gehören für Martin u.a. Anthony Giddens und Pierrre Bourdieu (Martin 2001: 193, Figure 1).

Starke sozialwissenschaftliche Theorien stellen nach Martin nicht nur die Warum-Frage, sondern auch die Wie-Frage, und das bedeutet für Martin, dass sie aus gesellschaftlicher Ordnung bzw. aus einem sozialwissenschaftlichen Phänomen ebenfalls auf der Grundlage von Absichten, Motiven und Handlungen von Menschen Sinn machen wollen, es aber als ein sozialwissenschaftliches Phänomen dieser Art generell erklären möchten. Aus diesem Grund formulieren sie Grund-Sätze, aus denen sie ableiten, wie Menschen im Allgemeinen handeln oder wie und warum sie in einer besonderen Situation so und so handeln. Schöpfer solcher starker Theorien sind für Martin u.a. James Coleman und Émile Durkheim (Martin 2001: 193, Figure 1).

Martin zieht sarke Theorien nicht unbedingt schwachen vor – oder umgekehrt. Schwache Theorien haben für Martin den Nachteil, dass sie wenig informativ sind; sie schließen nichts aus und beschreiben nur ein spezielles Phänomen, aus dem man aufgrund der Beschreibung Sinn machen kann. In Verbindung mit starken Theorien sieht er den Nachteil, dass sie in den Grund-Sätzen, die sie bei ihren Erklärungen formulieren, häufig Umstände als eben einfach gegeben oder gar als Notwendigkeiten darstellen, so dass sie diese Theorien zwar den Vorzug haben, nicht bloß deskriptiv zu sein, sondern auch explikativ, aber die Gefahr bergen, als präskriptive Theorien formuliert oder verstanden zu werden. In diesem Fall sind starke Theorien Theorien, die den status quo als solchen voraussetzen oder legitimieren, also konservative Theorien (Martin 2001: 192).

Jeder Sozialforscher muss für sich entscheiden, welchen Anspruch er mit seiner Arbeit verbindet und wie er die Relevanz seiner Arbeit begründet. Für viele Sozialwissenschaftler dürfte es aber kaum möglich sein, sich auf schwache Theorien bzw. die Beschreibung von einzelnen sozialwissenschaftlichen Phänomenen zu beschränken und gleichzeitig zu begründen, warum es sich bei ihrer Tätigkeit um eine Wissenschaft handelt und nicht um eine Interpretation eines sozialen Phänomens, die im Prinzip auch jeder Nicht-Wissenschaftler liefern könnte. In diesem Fall bräuchte man ja eigentlich gar keine Sozialwissenschaftler.

Literatur:

Martin, John Levi (2001): On the Limits of Sociological Theory. Philosophy of the Social Sciences 31(2): 188-223.

Martin, John Levi (2015): Thinking Through Theory. New York: W. W. Norton & Company.

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