Homans: Regeln der Theoriebildung

Was viele nicht mehr wissen, George Caspar Homans hat nicht nur eine Theorie der sozialen Gruppe aufgestellt, er hat auch Regeln der Theoriebildung benannt, und zwar die folgenden:

  1. Beachte zuerst das Augenscheinliche, das Vertraute, das Alltägliche. In einer Wissenschaft, die ihre Fundamente noch nicht gelegt hat, sind dies die Dinge, bei denen sich eine Untersuchung am besten bezahlt macht.
  2. Formuliere das Augenscheinliche in seiner vollen Generalität. Die Wissenschaft ist nur dann eine Gedankenökonomie, wenn ihre Hypothesen in einfacher Form eine große Anzahl von Tatsachen zusammenfassen.
  3. Sprich immer nur über eine Sache zu einer Zeit. Das heißt, achte bei der Wahl deiner Worte (oder genauer gesagt, deiner Begriffe) darauf, dass sie sich nicht gleichzeitig auf mehrere Klassen von Tatsachen beziehen, sondern auf eine und nur auf eine. Schlußfolgerung: Wenn du einmal deine Begriffe gewählt hast, so verwende immer zur Bezeichnung derselben Dinge dieselben Begriffe.
  4. Schränke soweit du es nur wagen kannst die Anzahl der Dinge ein, über die du sprichts. ‘So wenig wie du kannst, so viel wie du musst’, das ist die Regel, die auf die Anzahl der Tatsachenklassen anzuwenden ist, welche du in Rechnung stellst.
  5. Einmal mit der Rede begonnen, höre nicht auf, bis du geendet hast. Das heißt, beschreibe systematisch die Beziehungen zwischen den durch deine Wörter bezeichneten Tatsachen.
  6. Erkenne, dass deine Analyse abstrakt sein muss, da sie nur einige wenige Elemente der konkreten Situation behandelt. Gib die Gefahren der Abstraktion besondern wenn Handlungen vonnöten sind, ruhig zu, aber fürchte dich nicht vor der Abstraktion” (Homans; Theorie der sozialen Gruppe, S.42-43)