Soziologie – Ökonomie: Transaktion

Für Oliver Williamson ist eine Transaktion eine Aktivität, bei der eine Schnittstelle überschritten wird: “A transaction occurs, when a good or service is transferred across a technologically separable interface. One stage of activity terminates and another begins”, so schreibt er kurz und knapp.

Für Soziologen ist die Welt seit jeher komplizierter als dies für Ökonomen der Fall ist. Deshalb ist auch die Beschreibung und Definition von “Transaktion” länger.

“Als Transaktion werden alle Aktivitäten im Zuge der kooperativen Produktion und der Verteilung von Gütern bezeichnet. Der Kern jeder Transaktion ist der Tausch. Ein Tauch ist – ganz allgemein – das gegenseitige Geben und Nehmen von wertvollen und interessanten Ressourcen. Fast alles, was Menschen in sozialen Situationen tun, ist danach Transaktion und Tausch, auch das ‘Austauschen’ von Gedanken, Gesten und Informationen. Transaktion und Tausch sind auch eine Form des sozialen Handelns, die für das gesellschaftliche Leben wohl wichtigste sogar. Sie sind, glaubt man dem Klassiker der soziologischen Tauschtheorie, Georg Simmel, soger der Kitt, der alle Gesellschaften zusammenhält:

Das Geben überhaupt ist eine der stärksten soziologischen Funktionen. Ohne dass in der Gesellschaft dauern gegeben und genommmen wird – auch außerhalb des Tausches – würde überhaupt keine Gesellschaft zustande kommen”.

Ihre gesellschaftlich-bindende Funktion beziehen Transaktion und Tausch dadurch, dass über sie die zunächst ‘reinen’ Psychen der Menschen in eine sachliche Beziehung zueinander treten, die immer einen festeren Grund hat als jede bloße Seelenverwandtschaft.

Der Tausch ist die Sachwerdung der Wechselbeziehung zwischen Menschen. Indem einer eine Sache gibt und der andere eine Sache zurückgibt, welche denselben Wert hat, hat sich die reine Seelenhaftigkeit der Beziehungen zwischen den Menschen herausprojiert in Gegenstände, und diese Versachlichung der Beziehung, das Hineinwachsen ihrer in die Dinge, welche hin- und herwandern, wird so vollkommen, dass … überhaupt jede persönliche Wechselwirkung ganz und gar zurücktritt”.

(Esser, Soziologie, Spezielle Grundlagen, Band 3: Soziales Handeln, S.305-306)