BWL: Organisationstheorie

Die Frage, was unter einer Organisation zu verstehen ist und welchem Zweck sie dient, kann in unterschiedlicher Weise beantwortet werden. Eine Antwort hat Chester I. Barnard gegeben.

Für Barnard ist eine Organisation ein System bewusst koordinierter Handlungen, an dem zwei oder mehr Personen beteiligt sind. Konsequenterweise besteht eine Organisation für Barnard nicht aus Menschen, sondern aus Handlungen, sie sind Handlungssystem, die Menschen sind nicht Bestanteil der Organisation. Diese Definition hat den Vorteil, dass Organisationen, die über lange Zeit und mit wechselnden Mitgliedern bestehen, als Einheit gefasst und über die Zeit verfolgt werden könnne. Entsprechend wäre die z.B. SPD eine Organisation, die durch die Handlungen der jeweils gerade in ihr sich befindlichen Akteure strukturiert, aber nicht geschaffen wird. Die SPD besteht unabhängig von den Akteuren, die gerade unter ihrem Dach handeln jedenfalls sieht Barnard dies so. Insofern Barnard zudem davon ausgeht, dass Organisationen nicht durch homogene, sondern heterogene Akteure ausgezeichnet sind, ist er der Vorreiter dessen, was als Stakeholder-Theorie heute bekannt ist. Denn für Barnard wird z.B. ein Unternehmen nicht nur dadurch zum Akteur, dass eine Reihe von Akteuren Handlungen mit Bezug auf dieses Unternehmens ausführen, sondern gerade dadurch, dass diese Handelnden nicht Mitglied des Unternehmens sein müssen. Entsprechend gehören neben Beschäftigten und Eigentümern auch die Wettbewerber, die Lieferanten und die Kunden, die Kreditgeber usw. in der Regel zur Organisation “Unternehmen”

Barnard, C.I. (1938): The Function of the Executive.