Statistik: Prozente

Prozentzahlen gehören zum täglichen Leben. Wer eine Zeitung zur Hand nimmt, wird förmlich mit Prozentzahlen bombadiert. Walter Krämer hat für eine Ausgabe der FAZ die Häufigkeit von Prozentzahlen gezählt und ist auf die stattliche Anzahl von 135 gekommen.

Prozente sollen eine Genauigkeit, eine Gelehrheit und eine Präzision vorstellen, die in den meisten Fällen nicht vorhanden ist und in den meisten Fällen wissen weder der Redakteur noch viele seiner Leser, was die konkrete Prozentzahl, die er gerade anführt, eigentlich bedeutet. Wer weiß schon, dass eine Prozentzahl nur dann eine sinnvolle Aussage erlaubt, wenn man ihre Basis angibt?

“Auf der anderen Seite gilt genauso, dass eine Prozentzahl nicht nur Informationen liefert, sondern auch verschluckt. Links gehen zwei Zahlen ein, nämlich Zähler und Nenner, und rechts kommt nur eine einzige heraus. Das kostet Information. Die Quotienten 1/5, 7/35 oder 117/585 liefern alle den gleichen Prozentsatz, nämlich 20 Prozent, obwohl die Zähler (wie auch die Nenner) sehr verschieden sind. Wer einen davon zu verstecken Anlaß hat, argumentiert daher gerne mit Prozenten. … Dieses Verstecken kleiner Zahlen hinter imponierenden Prozenten hat eine lange Tradition. Im alten Reichstag gab es einmal eine Anfrage zur wachsenden Unmoral in einem bayerischen Ort. Die amtliche Statistik hatte dort eine Zunahme der unehelichen Geburten um immerhin 200 Prozent notiert, ‘eine Sündenstatistik’ wie sich Altmeister Ernst Wagemann in seinem Narrenspiegel der Statistik erinnert, ‘ die dadurch veranlasst war, dass eine Frau, die dem Zivilstand der Ledigen angehörte, Drillinge geboren hatte” (Walter Krämer, So lügt man mit Statistik, S.44-45).