Soziologie: Zur Erklärung menschlichen Verhaltens

Auch wenn der Gegenstand der Soziologie darin besteht, soziale Fakten, die zumeist auf einer Makroebene zu finden sind, zu erklären, so ist doch menschliches Verhalten, auf die die entsprechenden sozialen Fakten zurückführbar sind oder aus dem sie doch auf die ein oder andere Weise entstehen, die Grundlage der meisten soziologischen Theorien.

Ein Soziologe, der sich insbesondere um die Erklärung menschlichen Verhaltens verdient gemacht hat, ist George C. Homans. Von ihm stammen nicht zuletzt fünf Hypothesen, die menschliches Verhalten auf seine Anreizstruktur, seine Motivation zurückbinden. Am anschaulichsten haben Opp und Wippler nach unser Ansicht die Hypothesen zusammengestellt:

“I. Erfolgshypothese: Für alle Handlungen von Personen gilt: Je häufiger eine bestimmte Handlung einer Person belohnt wird, desto wahrscheinlicher wird die Persion die Handlung wieder ausführen.

II. Stimulushypothese: Wenn in der Vergangenheit beim Auftreten eines bestimmten Stimulus (oder einer Stimuluskonstellation) die Handlung einer Person belohnt wurde, dann gilt: je ähnlicher die gegenwärtigen Stimuli denen in der Vergangenheit sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Person dieselbe oder eine ähnliche Handlung auch in der gegenwärtigen Situation ausführt.

III. Werthypothese: Je wertvoller für eine Person das Resultat ihrer Handlung ist, desto wahrscheinlicher wird sie die Handlung ausführen.

IV. Deprivations-Sättigungs-Hypothese: Je häufiger eine Person in der jüngsten Vergangenheit eine bestimmte Belohnung erhalten hat, desto weniger wertvoll wird für sie jede weitere Einheit dieser Belohnung.

V. Aggressions-Billigungs-Hypothese: (a) Wenn die Handlung einer Person nicht die Belohnung erfährt, die die Person erwartet, oder wenn eine unerwartete Bestrafung auftritt, dann wird die Person ärgerlich; es wird wahrscheinlicher, dass sie aggressiv reagiert, und die Resultate solchen Verhaltens werden für die Person wertvoller. (b) Wenn die Handlung einer Person zu der erwarteten Belohnung führt, wenn insbesondere die Belohnung größer ist als erwartet, oder wenn die erwartete Bestrafung nicht auftritt, wird die Person zufrieden sein, sie wird mit größerer Wahrscheinlichkeit das Verhalten anderer Personen billigen, und die Resultate solchen Verhaltens werden für die Person wertvoller.” (Opp, Karl-Dieter & Wippler, Reinhard (2002). George Caspar Homans (1910-1989). In: Kaesler, Dirk (Hrsg.). Klassiker der Soziologie 2. Von Talcott Parsons bis Pierre Bourdieu. München: Beck, S.134-135).