Politikwissenschaft: Pluralismus

Diversity ist derzeit in aller Munde, denn Diversity, so wird behauptet und empirisch untersucht, hat viele Vorteile in Betrieb und Gesellschaft. Über all der Diversity ist das gute alte Konzept des Pluralismus in Vergessenheit geraten, ein Konzept, das theoretisch fundiert und von einer Vielzahl von Wissenschaftlern ausgefeilt wurde. Einer davon, Heinrich Oberreuter, hat Folgendes zu Pluralismus zu sagen:

  • quotePluralismus bejaht Interessenvielfalt. Er akzeptiert die vorfindbare gesellschaftliche Heterogenität und bestreitet ihre legitimität nicht.
  • Das Gemeinwohl gilt als regulative Idee, Es lässt sich nicht verbindlich bestimmen, dass eine Konzeption von Gemeinwohl, z.B. politisches Handeln leitet, wird jedoch unterstellt. D.h., Gemeinwohl ist verhaltensleitendes Prinzip, jedoch auf der Basis der Anerkennung und Legitimierung pluraler Gemeinwohlkonzeptionen. Dazu in diametralem Gegensatz steht die Vorstellung eines vorgegebenen objektiv erkennbaren und im politischen Prozess sozusagen exekutierbaren Gemeinwohls.
  • Pluralismus steht im Spannungsfeld zwischen Konsens und Konflikt. Konsens ermöglicht erst Konfliktregelung; er muss sich aber auch auf die Legitimation des Konflikts erstrecken.
  • Eine Basis des Pluralismuskonzepts bildet die Konkurrenztheorie der Demokratie, nach der Demokratie zunächst als Methode gilt. Sie grenzt sich strikt von der Identitätstheorie, die sich auf die Grundannahme gesellschaftlicher Homogenität stützt und nach ihren eingestandenen Prämissen von der Ausscheidung und Vernichtung ‘des Heteorogenen’ (Carl Schmitt) ausgeht” (Oberreuter, Pluralismus und Antipluralismus, S.28).