Kriminologie: Delinquentes Verhalten

Menschliche Gesellschaften werden durch Verhaltensnormen zusammengehalten. Verschiedene Normen haben verschiedene Grade der Verbindlichkeit. Manche muss man einhalten, wenn man nicht Sanktionen auf sich ziehen will, manche kann und manche soll man einhalten. Zu den Normen, die man einhalten muss, gehören die im Strafgesetzbuch zusammengestellten Verhaltensweisen, die, wenn sie nicht eingehalten werden, Geld- oder Freiheitsstrafe nach sich ziehen können. Damit sind wir beim delinquenten Verhalten angekommen, jenem Normverstoß, dessen Erklärung Kriminologen seit Jahrhunderten versuchen.

Ein Versuch stammt von Donald Sutherland, der delinquentes Verhalten in seiner Theorie differenzieller Assoziation erklärt hat. In der Variante, die Burgess und Akers (1966) der entsprechenden Theorie gegeben haben, basiert die Theorie auf fünf Axiomen:

  1. Delinquentes Verhalten ist gelerntes Verhalten.
  2. Delinquentes Verhalten wird in sozialen und nicht sozialen Situationen erlernt, in denen delinquentes Verhalten belohnt wird.
  3. Delinquentes Verhalten wird vornehmlich in Bezugsgruppen gelernt, aus denen ein Akteur seinen Status bezieht.
  4. Das Erlernen delinquenten Verhalten erfolgt in Abhängigkeit von verstärkenden und belohnenden Faktoren.
  5. Die Stärke deliquenten Verhaltens ist eine direkte Funktion der Stärke, mit der das entsprechende Verhalten bestärkt und belohnt wird.