Soziologie: Selbstmord

Emile Durkheim ist nicht nur der Vater der Soziologie, er ist auch der Vater der empirischen Sozialforschung in Form einer Analyse von Makrodaten. Berühmt ist seine Untersuchung über den Selbstmord, in der er bekanntlich drei Hauptformen des Selbstmords, nämlich den egoistischen, den altruistischen und den anomischen Selbstmord unterscheidet.

Zum egoistischen und zum altruistischen Selbstmord schreibt Durkheim:

durkheims-selbstmord“Wir haben also eine Art von Selbstmord vor uns, der sich von dem vorhergehenden durch ganz bestimmte Merkmale deutlich unterscheidet. Der eine ist das Ergebnis einer übertriebenen Vereinzelung, der andere das einer rudimentären Individualität. Der eine kommt zustande, wenn eine in bestimmten oder gar in allen Punkten uneinige Gesellschaft den Menschen aus ihrem Halt entlässt, der andere, weil sie ihn in zu enger Abhängigkeit hält. Da wir aber als Egoismus denjenigen Zustand bezeichnet haben, in dem das Ich sein Eigenleben führt und nur sich selbst gehorcht, drückt das Wort Altruismus recht gut den gegenteiligen Zustand aus, in dem das Ich nicht sich selbst gehört, wo es sich mit anderen Dingen außerhalb seiner selbst vermengt, wo der Pol, um den sich sein Verhalten dreht, außerhalb seiner selbst liegt, nämlich in einer der Gruppen, denen es angehört. Wir werden also die Bezeichnung altruistischer Selbstmord anwenden, wenn er aus einem intensiven Altruismus entsteht” (Durkheim, Der Selbstmord, S.147).