Empirische Sozialforschung: Grundlagen

Zuweilen wird vergessen, dass empirische Sozialforschung kein Selbstzweck und auch keine Beschäftigungstherapie ist, sondern der Gewinnung von Erkenntnis dient. Dies kann explorativ erfolgen, wenn Daten erhoben werden, um sich überhaupt einen Eindruck von einem Feld machen zu können, oder konfirmatorisch, wenn das Ziel darin besteht, Vorstellungen, die man sich z.B. über ein soziales Phänomen macht, zu testen.

In diesem Zusammenhang ist von Hypothesen, Theorien und Gesetzen die Rede.

Die beste Darstellung dazu, was Hypothesen, Theorien und Gesetze sind und was sie voneinander unterscheidet, findet sich in Schnell, Hill und Esser’s “Methoden der empirischen Sozialforschung”:

quote“Allgemein bezeichnet man diejenigen Aussagen als Hypothesen, die einen Zusammenhang zwischen mindestens zwei Variablen postulieren. […] Hypothesen können sowohl als ‘Wenn-Dann-AUssagen’ (z.B. ‘Wenn man Gase erhitzt, dann dehnen sie sich aus”), als auch ‘Je-Desto-Aussagen’ (z.B. ‘Je häufiger Personen interagieren, desto sympathischer sind sie sich’) formuliert werden.

[…]

Gesetze sind strukturell identisch mit Hypothesen. Man verwendet den Gesetzesbegriff jedoch vor allem dann, wenn sich die entsprechende Aussage bereits häufig in der Realität bewährt hat.

Im strengen Sinne ist eine Theorie ein System von Aussagen, das mehrere Hypothesen oder Gesetze umfasst. Innerhalb einer solchen Theorie unterscheidet man zwischen verschiedenen Komponenten. Grundlegend sind zunächst die Definitionen. Unter Verwendung dieser Definitionen werden Aussagen formuliert, die die logische Form von Hypothesen bzw. von Gesetzen haben. Diese sind nach dem Grad ihrer Allgemeinheit geordnet. Die Aussagen mit der höchsten Allgemeinheit heißen Axiome. Die Axiome müssen untereinander widerspruchsfrei und logisch unabhängig voneinander sein. Die Richtigkeit von Axiomen wird innerhalb eines theoretischen Systems als gegeben angesehen, sie werden als ‘selbstevident’ betrachtet. Schließlich gehören zu der Theorie die aus den Axiomen zusammen mit den Definitionen ableitbaren Aussagen, die sog. Theoreme bzw. Propositionen” (Schnell, Hill & Esser, Methoden der empirischen Sozialforschung, S.42-43).