Philosophie: Das Begründungsproblem

Wissenschaftliche Aussagen bedürfen einer Begründung. Aber was stellt eine hinreichende Begründung für eine wissenschaftliche Aussage dar? Diese Frage ist als Begründungsproblem von Philosophen zu allen Zeiten diskutiert worden, bis Karl Raimung Popper seine Antwort mit dem Falsifikationismus gegeben hat, und damit eine Antwort, die sich seitdem als wissenschaftlicher Standard durchgesetzt hat.

Formal besehen ergeben sich drei Möglichkeiten, die Frage nach der letzten Begründung einer Aussage zu beantworten. Am klarsten hat dies für uns Hans Albert formuliert:

quote“Nun zurück zum Begründungsproblem. Welche Rolle kann hier die logische Folgerung spielen? Nach dem oben formulierten Prinzip können wir davon ausgehen, dass das Ziel des Begründungsverfahrens jeweils darin bestehen muss, die Wahrheit der betreffenden Auffassungen und damit der sagen, in denen sie formuliert sind, zu sichern. Die Wahrheit – der positive Wahrheitswert – ist aber übertragbar durch logische Folgerung. Also liegt die Idee nahe, die Begründung einer Überzeugung – und damit die einer Aussagen-Menge bzw. eines Aussagen-Systems – durch Rückführung auf sichere – und damit unbezweifelbare – Gründe mit logischen Mitteln, das heißt, mit Hilfe logischer Folgerung, und zwar so, dass sich alle Komponenten der betreffenden Aussagen-Menge aus dieser Grundlage durch logische Folgerung ergeben.

Nun entsteht aber, wenn usner Prinzip ernst genommen wird, sogleich folgendes Problem: Wenn man für alles eine Begründung verlangt, muss man auch für Erkenntnisse, auf die man jeweils die zu begründende Auffassung – bzw. die betreffende Aussagen-Menge – zurückgeführt hat, wieder eine Begründung verlangen. Das führt zu einer Situation mit drei Alternativen, die alle drei unakzeptabel erscheinen, also: zu einem Trilemma, das ich angesichts der Analogie, die zwischen unserer Problematik und dem Problem besteht, das der bekannte Lügenbaron einmal zu lösen hatte, das Münchhausen-Trilemma nennen möchte. Man hat hier offenbar nämlich nur die Wahl zwischen

  1. einem infiniten Regreß, der durch die Notwendigkeit gegeben erscheint, in der Suche nach Gründen immer weiter zurückzugehen, der aber praktisch nicht durchzuführen ist und daher keine sichere Grundlage liefert;
  2. einem logischen Zirkel in der Deduktion, der dadurch entsteht, dass man im Begründungsverfahren auf Aussagen zurückgreift, die vorher schon als begründungsbedürftig aufgetreten waren, und der ebenfalls zu keiner sicheren Grundlage führt; und schließlich
  3. einen Abbruch des Verfahren an einem bestimmten Punkt, der zwar prinzipiell durchführbar erscheint, aber eine willkürliche Suspendierung des Prinzips der zureichenden Begründung involvieren würde.” (Hans Albert, Traktat über kritische Vernunft, S.14-15)

 

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