Wissenschaftliches Arbeiten: Zitieren leicht gemacht

Es mag sein, dass ich in dieser Hinsicht eigen bin, aber ich habe das Zitieren noch von der Pike auf gelernt. Hans-Joachim Haubold, Universitätsbibliothekar in Mannheim, hat mich und meine Kommilitonen gequält. Aber die Quälerei hat sich gelohnt. Keiner derjenigen, die durch die Hauboldsche Zitierkaderschmiede gegangen sind, hat sich hinterher getraut, gegen das Erlernte zu verstoßen.

Umso schlimmer ist es, wenn man heute ein Buch aufschlägt und sich die Art und Weise ansieht, in der zitiert wird. Alle Formen des Zitieren haben sich mittlerweile zu einem kaum mehr beherrschbaren Wirrwar vermengt, in dem einem plötzlich ein (Vgl.) mitten im Text entgegen prangt, gefolgt von einem (Ebenda) auch im Text, man glaubt es kaum. Ein paar Seiten weiter hat es sich der Autor dann anders überlegt. Vielleicht hat er eine Nacht darüber geschlafen, vielleicht hat er zwischenzeitlich ein tief beeindruckendes Beispiel direkten Zitierens vor seiner Nase und plötzlich gibt es (Meier 2011: 52) und zwei Absätze weiter (Meier 2011: 55). Nichts mehr mit (Ebenda) und auch kein (Vgl.) mehr. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, findet sich einige Zeilen weiter eine Fußnote (zum Glück keine Endnote, eine Unsitte die auszusterben scheint). Also wandert der Blick auf der Seite nach unten und, man glaubt es kaum: Vgl.: Meier 2001: 28. Es ist zum Mäusemelken, und man merkt deutlich, derjenige, der dieses Buch geschrieben hat, zitiert nicht, nein, er dilettiert mit Verweisen, von denen er offensichtlich nicht die geringste Ahnung hat, warum sie überhaupt gemacht werden.

Also fangen wir vorne an:

Man zitiert, um Gedanken, die nicht eigene sind, zu belegen, und zwar in einer Weise, die es Dritten ermöglich, die zitierte Stelle aufzufinden.

Die Gedanken, die nicht die eigenen sind, kann man direkt zitieren, das ist dann der Fall, wenn eine Textstelle übernommen wird, was durch “” kenntlich gemacht wird.

Die Gedanken, die nicht die eigenen sind, kann man auch indirekt zitieren und einem Fremdautoren die eigene Interpretation seiner Gedanken andichten. Damit die Verballhornung der Gedanken anderer nicht den entsprechenden anderen angelastet wird, zitiert man ohne “”.

Es hat sich in manchen Wissenschaften, deren Ausbildung im Zitieren nicht so ganz den Standards entspricht, wie sie Hans-Jürgen Haubold für richtig hält, eingebürgert, nicht direkte Zitate mit einem “Vgl.” zu kennzeichnen. Dies ist, soweit es in Fußnoten erfolgt, zulässig wenngleich unnötig, da bei einem indirekten Zitat keine “” vorhanden sind und deshalb auch der unbedafteste Zitierer sehen sollte, dass hier indirekt zitiert wurde. Darüber hinaus ist das “Vgl.” ein Relikt, das seinen Sinn daraus bezieht, dass Autoren unterschiedliche Interpretationen historischer Quellen vorgenommen haben. Wenn also Karl Dietrich Bracher die Emser Depesche im Urtext neu interpretiert hat und auf die Stelle im Original hinweisen wollte, die er neu interpretiert hat, dann hat er “Vgl.” vor die entsprechende Quellenangabe in der Fußnote geschrieben. Das setzt für Puristen wie mich voraus, dass man Quellen haben muss, um “Vgl.” zu schreiben, aber man kann sich natürlich darüber streiten, was eine Quelle ist. Ich denke dabei an historisches Material, manche BWL-Professoren denken dabei an die Homepage von Pepsi Cola…. Aber in einem Punkt kann man mit mir nicht reden: Weder (Vgl.) noch (Ebenda) hat im Text etwas zu suchen. Beide Zitierweisen machen ausschließlich in Fußnoten Sinn. Wer sie im Text benutzt, zeigt seine völlige Unbedarftheit (Machen Sie sich doch einmal den Spaß, die Zitierweise Ihres Profs zu prüfen. Sie werden sich wundern!)

Warum hat z.B. (Ebenda) nichts im Text zu suchen. Nun ein (Ebenda) im Text wirkt auf Leute, die Zitieren gelernt haben, wie ein weiblicher Artikel vor einem männlichen Hauptwort: einfach nur falsch. Und wem das nicht genügt, hier ein pragmatisches Argument: Wenn Fußnote 21 sagt: Meier 2011: 25 und Fußnote 22 Ebenda, dann muss man schlimmstenfalls eine Seite zurückblättern und am Ende der Seite die Fußnoten scannen, um zu sehen, was Ebenda ist. Wenn ein (Ebenda) unvermittelt im Text auftaucht, dann muss man anfangen nach dem Zitat zu suchen, auf das sich das (Ebenda) beziehen könnte und das ist einfach nur ärgerlich.

Um es noch einmal zu wiederholen: Es wird zitiert, um Gedanken, die nicht die eigenen sind, kenntlich zu machen. Das Ziel des Zitierens ist es, dem Leser die Möglichkeit zu geben, die entsprechende Stelle im Original zu finden. Das kann man in Fußnoten oder in der so genannten amerikanischen (Harvard, APA) Zitierweise im Text sicherstellen. Wie auch immer man es tut, wichtig ist, dass es konsitent erfolgt.

Wer also im Text zitiert, kann nicht plötzlich anfangen, in Fußnoten zu zitieren und umgekehrt.

Wenn im Text zitiert wird, dann ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man

so: (Meier 2011: 25)

oder so: (Meier, 2011, S.25)

oder so: (Meier 2011, S.25)

zitiert.

Wenn in Fussnoten zitiert wird, dann ist es ebenfalls eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man

so: 1 Meier (2011), S.25

2 Meier (2011), S.26

oder so:

1 Meier, Hans “Das Zitieren im Kontext der Moderne”, S.25

2 Ebenda, S.26

oder so

1 Meier “Zitieren Moderne”, S.25

2 Meier “Zitieren Moderne”, S.26

zitiert. Hauptsache konsitent!

Abgesehen von diesen einfachen Regeln, die man beim Zitieren beherzigen sollte, gibt es eine Reihe von “fancy” Versionen des Zitierens [1] im Text oder in der [2] Fussnote, der dann ein Literaturverzeichnis in Reihenfolge folgt. Das alles sind, wie gesagt, Fragen des Geschmacks, der zwischen Professionen offensichtlich und erheblich differiert, und diese Fragen können anders beantwortet werden, so lange das Ziel des Zitierens, die Identifikation fremder Gendanken und deren Auffindbarkeit gewährleistet ist. Lassen Sie sich also nicht von strikten Zitierregeln abschrecken, wie sie zuweilen von Fachbereichen herausgegeben werden (Die Regeln sind um so strikter, je weniger theoretische Fundierung das Fach/der Fachbereich hat, so jedenfalls meine Beobachtung: Je weniger inhaltlich mache Fächer zu sagen haben, desto mehr Wert legen sie auf formale Pinzeligkeit, die z.B. Literaturverzeichnisse dann, wenn die Vornamen der Autoren ausgeschrieben sind, als “falsch” ansieht oder unbedingt in Fußnoten den Autorennamen und eine Abkürzung für den zitierten Text sehen will, die dann im Literaturverzeichnis wieder mühsam und zur allseitigen Verwirrung rückübersetzt werden muss – aber: Des Professoren Wille ist sein Himmelreich…).

Noch ein letzter Punkt: Internetquellen. Ja. Die machen einem Kopfzerbrechen, denn man kann sie nicht guten Gewissens im Text zitieren etwa: (http://www.2ghostwriters.de/wp-admin/post-new.php). Das zerstört nicht nur den Lesefluss. Aber, will die Puristik nicht, dass nur im Text oder nur in Fussnoten zitiert wird? Die Antwort ist wie immer: Ja, … und nein. Das Ziel der Lesbarkeit von Texten steht in diesem Punkt nach meiner Ansicht über der Puristik, und deshalb habe ich das Problem des Zitierens für mich so gelöst, dass ich Internetquellen unabhängig davon, wie ich sonst zitiere, immer in Fußnoten packe. Das sieht einfach besser aus!

Ghostwriter-24

Haben Sie Probleme mit dem wissenschaftlichen Arbeiten? Sind Sie nicht sicher im Zitieren? Finden Sie keinen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur, wissen nicht, wie man Literatur findet bzw. gefundene Literatur bearbeitet? Fällt es Ihnen schwer, eine Fragestellung zu finden und davon ausgehend, einen roten Faden zu weben, der die Arbeit durchzieht und zusammenhält? Dann sind Sie bei uns richtig. Wir beraten Sie und helfen Ihnen da weiter, wo es klemmt. Wenden Sie sich an uns!